Acht Dinge, die ich jedem sagen würde, der anfängt. Antippen zum Öffnen.
Gesundheitswesen ist eine Dienstleistung.
Du bist nicht Bittsteller, sondern Auftraggeber. Fühlst Du Dich nicht gut behandelt, nicht verstanden, oder ergibt das Vorgehen für Dich keinen Sinn: Sprich es an. Ändert sich nichts, such Dir jemand anderen. Ein Wechsel ist dann unabdingbar und richtig – bitte kein schlechtes Gewissen!
Psychotherapie ist Arbeit, kein Wellness.
Verwechsle das nicht mit dem ersten Punkt. Du wirst herausgefordert werden. Manches fühlt sich eine Zeit lang unangenehm an, weil alte Muster Widerstand leisten. Der Unterschied zu schlechter Behandlung: Der Zweck ist klar, mit Dir abgesprochen und wird regelmässig überprüft. Unangenehm mit Ziel ist Arbeit. Unangenehm ohne Ziel ist ein Grund für das Gespräch aus Punkt 1.
Die therapeutische Beziehung zählt mehr als die Methode.
Die Forschung zeigt seit Jahrzehnten: Ob Du Dich verstanden fühlst und mit der Person arbeiten kannst, erklärt einen grossen Teil der Wirkung. Nach zwei, drei Sitzungen weisst Du es. Gib dem Anfang diese Zeit.
Was in der ersten Stunde passiert.
Es gibt keine fixen Vorgaben. Dennoch: Üblich ist, dass Du in der ersten Stunde erzählst, was Dich herführt. Die Therapeutin oder der Therapeut fragt nach, ordnet ein und schlägt ein Vorgehen vor. Möglich ist, dass in der ersten Sitzung bereits erste Schritte erfolgen.
Woran Du merkst, dass es wirkt.
Nicht daran, dass es sich jede Woche gut anfühlt. Sondern daran, dass Du im Alltag Dinge anders tust: früher merkst, was in Dir passiert, anders reagierst, Entscheidungen triffst, die Du vorher aufgeschoben hast. Vereinbart zu Beginn, woran ihr beide den Fortschritt erkennen wollt.
Medikamente: in der Regel nicht die erste Wahl.
In der Regel sind Medikamente nicht die erste Wahl, sondern die Psychotherapie. Danach entscheidet sich, ob Medikamente unterstützend notwendig und hilfreich sein können. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Hausärztinnen oder Psychiatern und Psychotherapeuten kann ebenso hilfreich sein für Dich – bitte darum.
Wie lange dauert das?
So lange, wie es für Dein Ziel braucht, und so kurz wie möglich. Viele Anliegen lassen sich in 10 bis 25 Sitzungen bearbeiten, andere brauchen länger. Eine gute Therapie hat ein Ende, das ihr gemeinsam plant – abhängig vom Therapiefortschritt und von Deinen inneren und äusseren Umständen.
Was, wenn ich keinen Platz finde?
Mehrere Wartelisten gleichzeitig, die Hausärztin oder der Hausarzt als Begleitung in der Zwischenzeit, Beratungstelefone und Selbsthilfegruppen (Adressen oben). Video- und Telefontherapie vergrössern den Radius. Und: Das Suchen selbst ist bereits ein Schritt.